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Der Markt gefälschter Medikamente boomt

Lesezeit: ca. 2 Min. | Beitrag vom

3,9 Mio. Tabletten wurden, laut der Zollstatistik, allein 2015 vom deutschen Zoll sichergestellt. Dies ist annähernd das Vierfache an illegalen und gefälschten Arzneimittel im Vergleich zum Vorjahr. Die beschlagnahmten Tabletten wurden vor allem im Internet angeboten und verkauft.

Online-Apotheken aus dem Ausland verkaufen gefälschte Pillen

Die Deutschen nutzen immer mehr die Online-Versandhandel Apotheken um sowohl OTC, als auch verschreibungspflichtige Medikamente billig und diskret zu erhalten. Auf die Seriosität des entsprechenden Unternehmens wird nur selten geachtet. Häufig sitzen die Unternehmen in fernen Ländern, die für die deutsche Justiz unerreichbar und unkontrollierbar sind. Auch Bundesfinanzminister Schäuble ist skeptisch und warnt:

„Im vergangenen Jahr lag ein Schwerpunkt auf Arzneimitteln, die im Internet angeboten werden. Hier deckt der Zoll zunehmend kriminelle Strukturen auf. Ich empfehle jedem, Medikamente online nur aus nachweislich seriösen Quellen zu kaufen.“

Gefälschte Medikamente in der Apotheke
Der Markt mit gefälschten Medikamenten wird immer größer - CC0, pexels.com

Warum die Anzahl der Fälschungen immer weiter steigt wird schnell klar, wenn man beispielsweise die Preise der Medikamente mit denen von Rauschmitteln vergleicht: Während auf dem Schwarzmarkt ein Kilogramm gefälschter Potenzpillen durchschnittlich 90.000€ wert ist, kostet ein Kilogramm Kokain nur etwa 65.000€, Heroin 50.000€ und Marihuana 8.000€. Laut dem BKA handelt es sich bei den Fälschern nicht um Einzelpersonen, sondern international organisierte Täter und Tätergruppen.
Was für den Fälscher ein lukratives Geschäft ist kann für den Verbraucher sogar lebensgefährlich werden. In der Regel sind zwar keine oder zu wenig Wirkstoffe in den gefälschten Arzneien enthalten, doch auch geschieht es, dass die Tabletten mit zu viel des Wirkstoffes oder gar giftigen Substanzen versetzt sind.

Gefälschte Medikamente können lebensgefährlich sein

Das Fehlen des Wirkstoffes Heparin hat in den USA bereits zu Todesfällen geführt. Durch gefälschtes Heparin, das Thrombosen oder Embolien nach einer OP verhindern sollte, sind mindestens zehn Menschen gestorben. In Deutschland sind bisher keine derartigen Fälle bekannt. Die Wirtschaftswoche berichtet aber von einer Patientin aus dem Sauerland, die sich seit Jahren das Mittel Pegasys gegen Hepatitis C spritzt, das sie sich stets in der Apotheke ihres Vertrauens vor Ort holt. Als sie es letzten November wie gewohnt in den Oberarm spritzte, schwoll er jedoch plötzlich an und begann zu schmerzen. Nach näherer Untersuchung war klar: die Spritze enthielt nichts vom Wirkstoff, lediglich Wasser mit Kochsalz. Dieser Fall wirft Skepsis auf, wenn gefälschte Arzneimittel nicht mehr nur im anonymen Internet, sondern im Herzen des deutschen Gesundheitssystems, der Apotheke, zu finden sind.

Prüfsysteme für Medikamente werden entwickelt

Die Pharmaunternehmen und die Regierung haben beide ein Interesse daran den Handel mit gefälschten Medikamenten zu bekämpfen. Deswegen werden auch neue Sicherheitsmerkmale für die Produkte entwickelt, wie Wasserzeichen, Hologramme und Mikrozeichen, die vorwiegend Verpackungen fälschungssicherer machen sollen. Vielversprechend ist die Umsetzung von maschinenlesbaren Datamatrix-Codes. Mit ihnen kann der Apotheker in Sekundenschnelle prüfen ob diese Seriennummer überhaupt existiert oder ob eine Verpackung mit dieser Nummer bereits verkauft wurde. Frei verkäufliche Arzneimittel wie Kopfschmerztabletten oder Erkältungsmittel sollen vorerst nicht mit einem derartigen Prüfsystem ausgestattet werden da sie, durch ihre niedrigen Preise, uninteressant für Fälscher sind. Für sie sind vor allem hochpreisige Arzneimittel wie die gegen HIV-Infektionen oder Krebs reizvoll.

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