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Wie Lieferengpässe den Apothekenalltag prägen

Lesezeit: ca. 3 Min. | Beitrag vom

Zusammenfassung

4 / 5 aus 25 Abstimmungen

Vor allem bei Rabatt Arzneimitteln kommt es in den letzten Jahren zu Lieferengpässen. Die Wahrscheinlichkeit auf einen Versorgungsengpass zuzusteuern wächst. Trotzdem schreitet die Politik nicht ein und reguliert die Auslandsexporte und definiert Rabattverträge.

Lieferengpässe in der Apotheke
Lieferengpässe sind leider keine Seltenheit mehr - CC0, pexels.com

Offenburger Apotheker wertet Defektlisten aus

Um die Tragweite der Lieferengpässe abzuschätzen hat der Offenburger Apotheker Hans Rudolf Diefenbach seine Kollegen deutschlandweit aufgefordert ihm ihre Defektlisten zu schicken. Diese hat der hessische Apotheker nun ausgewertet und feststellen müssen, dass zwar die Mängel weniger vielfältig geworden sind, dafür aber bei einzelnen Arzneimitteln besonders in die Tiefe gehen. Seine Ergebnisse stellte er dann auf der Exopharm vor.

Gerade Metoprolol von Hexal erreichte eine nicht Lieferfähigkeit von beinahe 100% in den 50 eingesendeten Defektlisten. Ähnlich spielt es sich bei Novaminsulfon von Zentiva ab, das sowohl in Tropfen als auch in Tabletten Form in fast jeder Apotheke, in allen Packungsgrößen, nicht verfügbar ist. Dies zeigt, dass das Problem nach wie vor höchst präsent ist.

Für Diefenbach ist daher klar, dass es so nicht weitergehen kann. Dem Verkaufen von Arzneimitteln dorthin, wo die Großhändler die besten aktuellen Renditen bekämen, müsse Einhalt geboten werden. Die Aussage, dass es zwar Lieferprobleme, aber keine Versorgungsprobleme gebe, sei für ihn schlicht falsch.

Zwei von drei Apotheken kämpfen mehrmals täglich mit Lieferengpässen

Das Institut für Handelsforschung Köln (IFH) kam, in seinem diesjährigen Stimmungsbarometer im deutschen Apothekenmarkt, zu dem gleichen Ergebnis: 65% von den rund 200 befragten Apothekenleiter gaben an mehrmals täglich mit dem Problem von fehlenden Arzneimitteln konfrontiert zu sein. Vor vier Jahren, also 2012, waren es noch knapp 22%. Die Einschätzung der Apothekenleiter für die weitere Entwicklung sieht nicht besser aus: 98% der Teilnehmer gehen davon aus, dass es in Zukunft noch öfter zu Lieferengpässen kommen wird.

Lieferengpässe bei Apotheken

Wer ist schuld an der Arzneimittelknappheit?

Schuld daran sind, nach den Antworten der Umfrage, in erster Linie die Pharmaindustrie (84 %). Auch Verantwortung tragen die Krankenkassen (74 %) und die Politik (69 %), die durch fehlende Initiative in der Achtung der Apotheker sinkt. Genau wie Herr Diefenbach ist auch drei Viertel der Teilnehmer der Meinung, dass es ein wichtiger Schritt sei die Attraktivität für Unternehmen zu senken die Arzneimittel in Länder zu exportieren, die höhere Preise erzielen.

Auch Pharmagroßhändler sind betroffen

Als Mittler zwischen Hersteller und Apothekern leiden auch Pharmagroßhändler unter den Lieferengpässen. Laut einem Artikel der Deutschen Apotheker Zeitung gibt die Apothekergenossenschaft Noweda an, dass sie täglich von Lieferengpässen betroffen ist und die Apotheken nicht mit den bestellten Mengen beliefern kann. Es handle sich um 2000 bis 4000 PZN täglich, die aufgrund von fehlender Auslieferung seitens der Industrie defekt seien. Die Bestellmengen werden von der Industrie gekürzt oder teilweise gar nicht zur Verfügung gestellt.

Die wirtschaftlichen Folgen bekommen die Händler zu spüren. Sie verlieren Umsätze in Höhe von mehreren Millionen Euro, während der administrative Aufwand steigt. Täglich müsse man den Herstellern hinterherlaufen um irgendwie doch noch Ware von den Herstellern zu erhalten. Sie sehen, neben den Auslandsexporten auch die Rabattverträge in der Schuld. Durch die Wechsel von Vertragspartnern nach Ablauf der Verträge, können die neuen Partner die bestellten Mengen nicht schnell genug liefern. Hier sei mehr als dringend eine durchgehende Vergabe an drei Hersteller Pflicht. Dadurch würden die Engpässe deutlich reduziert werden.

Nicht zuletzt sollte es eigentlich auch im Interesse der Hersteller sein Lieferprobleme zu vermeiden, denn auch für sie bedeutet dies einen Umsatzverlust einzufahren.

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